Über mich – Dr. Swetoslaw Beltschew, Mediator in Dresden

Dr. Swetoslaw Beltschew, Mediator in Dresden
Wie es dazu kam
Ich war 35 Jahre in der sächsischen Verwaltung tätig – die meiste Zeit in der IT, zuletzt im Prozess- und Projektmanagement. Wer in der Verwaltung Prozesse verantwortet, sitzt unweigerlich in vielen Besprechungen, in denen es eigentlich nicht um Prozesse geht.
Ich erinnere mich an Gespräche über Schnittstellen zwischen Bereichen, in denen jeder seine Position verteidigte und niemand sagte, was er wirklich brauchte. Ich erinnere mich an Diskussionen über Service-Level-Vereinbarungen, in denen über Zahlen gestritten wurde, während es eigentlich um Anerkennung ging. Ich erinnere mich an die Einführung eines Ticketsystems, bei der die eigentliche Hürde nicht die Technik war, sondern die liebgewonnene Arbeitsweise, von der niemand Abschied nehmen wollte.
Und ich erinnere mich an Gespräche im privaten Umfeld – etwa bei der Aufteilung des Erbes meiner Eltern, oder bei einem Konflikt im Bekanntenkreis um eine Reise, die längst bezahlt war und doch zur Machtfrage wurde. In allen diesen Situationen war das Gleiche zu beobachten: Über das Falsche wurde gesprochen. Worum es eigentlich ging, blieb unter dem Tisch.
Das ist die Beobachtung, die mich nicht losließ.
Der Weg in die Mediation
Den auslösenden Moment kann ich nicht datieren. Es waren mehrere Stränge, die irgendwann zusammenliefen: ein anstehender Stellenwechsel, der mich in die Organisationsentwicklung führte. Vorausgegangene Seminare zu Kommunikation und Konfliktbearbeitung an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Meißen, die ein latentes Interesse offenlegten. Beobachtungen im privaten Umfeld, die mich zunehmend nachdenklich machten. Und der näher rückende Ruhestand, der die Frage stellte, womit ich die zweite Hälfte meines Berufslebens füllen würde.
In der neuen Aufgabe ging es um eskalierte Konflikte, die im Rahmen von Organisationsentwicklung bearbeitet werden sollten. Ich merkte: Hier brauche ich mehr als Erfahrung. Hier brauche ich eine Methode.
So begann 2023 die Ausbildung am INKOVEMA-Institut in Leipzig – zunächst Mediationsausbildung nach MediationsG, dann Organisationsmediation, dann Systemische Organisationsberatung.
Was ich gelernt habe
Mediation ist nicht das, wofür sie oft gehalten wird. Sie ist nicht die schnelle Schlichtung. Sie ist nicht der Kompromiss, der allen wehtut. Sie ist auch keine abgemilderte Therapie.
Mediation ist ein Verfahren. Sie hat eine Struktur, die schützt – nicht nur die Beteiligten, sondern auch den Prozess selbst. Diese Struktur ist die Verbindung zur Rechtsprechung, nicht zur Therapie. Wer aus der Verwaltung kommt, erkennt das schnell wieder.
Was ich aus 35 Jahren Verwaltung mitnehme:
- Eskalationen sind unvermeidbar. Jeder Versuch, sie ganz zu verhindern, scheitert. Was möglich ist: den Prozess so zu führen, dass Eskalationen im Rahmen bleiben und nicht das Verfahren zerstören.
- Konflikte zeigen sich an Schnittstellen. Zwischen Bereichen, zwischen Rollen, zwischen Generationen. Was an der Schnittstelle aufschlägt, hat seine Ursache fast nie an der Schnittstelle selbst.
- Verfahren schützen. Wer einen Rahmen hat, an den er sich halten kann, kann sich öffnen. Wer keinen Rahmen hat, muss sich verteidigen.
Was ich aus der systemischen Arbeit mitnehme:
- Menschen handeln nicht nach festem Charakter, sondern nach Rollen und Bedürfnissen. Wenn die Rollenzuweisung sich verschiebt, ändert sich das Verhalten.
- Beobachtungen sind nicht neutral. Wer beobachtet, gestaltet, was er sieht. Diese Einsicht – das Beobachten der Beobachtungen – ist für die Mediation zentral.
- Interventionen führen nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Menschen sind autonom. Das ist keine Einschränkung der Arbeit, sondern ihr Ausgangspunkt.
Daraus ist eine Position entstanden, die meine Arbeit trägt:
Konflikte sind keine Probleme, die gelöst werden müssen, sondern Hinweise auf nicht offengelegte Bedürfnisse, auf falsche Rollenzuweisungen und auf blockierte Kommunikation. Klarheit entsteht im Gespräch – nicht durch die richtige Antwort, sondern durch das Sichtbarmachen dessen, worüber bisher nicht gesprochen wurde.
Was meine Arbeit bisher geprägt hat
Seit Abschluss der Ausbildung im Sommer 2024 habe ich eine begrenzte Anzahl von Mediationsfällen begleitet – darunter Elder Mediation in einer Familie, in der es offiziell um Geld ging und tatsächlich um Anerkennung; einen Familienkonflikt um die neue Rolle der Großeltern; eine Wohngemeinschaft nach einem Diebstahl, in der das Verhältnis aller Bewohner auf dem Spiel stand.
Was mich an dieser Arbeit erfüllt, ist nicht die Lösung. Es ist die Veränderung, die in jedem Verfahren stattfindet – manchmal viel, manchmal wenig, manchmal in der Sache, manchmal nur in der Wahrnehmung der Sache. Die Mediation verändert die Medianden – und sie verändert auch den Mediator.
Diese Veränderung ist es, die ich beobachte. Und sie ist der Grund, warum ich diese Arbeit weitermachen will.
Was ich nicht bin
In der Aufbauphase einer Praxis sind klare Abgrenzungen wichtig – für die Anfragenden ebenso wie für mich:
- Ich bin kein Familientherapeut. Wer therapeutische Begleitung sucht, ist bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten besser aufgehoben.
- Ich bin kein juristischer Berater. Bei Erbrecht, Mietrecht, Sorgerecht und ähnlichen Fragen verweise ich an Anwältinnen und Anwälte.
- Ich übernehme keine Trennungs- oder Scheidungsmediation – das ist nicht mein Spezialgebiet.
- Ich bin kein Konfliktlöser, der eskalierte Situationen “rettet”. Mediation funktioniert nur, wenn alle Beteiligten ehrlich am Verfahren mitwirken wollen.
In allen Fällen, in denen ich nicht der Richtige bin, verweise ich gerne weiter.
Ausbildung und Qualifikationen
Mediationsausbildung — INKOVEMA Institut, Leipzig (2023/2024)
Organisationsmediation — INKOVEMA Institut, Leipzig (2024/2025)
Systemische Organisationsberatung — INKOVEMA Institut, Leipzig (2025)
INKOVEMA – Institut für Konfliktmanagement und Mediation gehört zu den renommierten Instituten für systemische Mediation im deutschsprachigen Raum.
Ergänzende Qualifikationen aus dem beruflichen Hintergrund:
- ITIL-Expert (IT Service Management)
- PRINCE2 Agile (Projektmanagement)
- Mehrjährige Seminartätigkeit zu Kommunikation und Konfliktbearbeitung an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Meißen
Nachweise
- Zertifikat Mediationsausbildung (PDF)
- Zertifikat Organisationsmediation (PDF)
- Zertifikat Systemische Organisationsberatung (PDF)
Wo ich arbeite
Dresden und Sachsen. Online-Verfahren europaweit möglich.
Kontakt
Dr. Swetoslaw Beltschew
Mediator · Coach · systemischer Berater
mediator@sweti.de · 0163 803 5634
mediator.sweti.de · calendly.de/mediator-sweti
Ich befinde mich derzeit in der Aufbauphase meiner Mediationspraxis. Was das konkret bedeutet, beschreibe ich im Praxisaufbauprogramm 2026/2027.