Klärungsräume Organisation (KRO): Warum viele Organisationsprobleme Raumprobleme sind
Swetoslaw Beltschew

Warum viele Organisationsprobleme keine Sachprobleme sind – sondern Raumprobleme
These: Nicht die Kommunikation scheitert – sondern der Gesprächsrahmen
In Organisationen wird viel gesprochen.
Und doch bleiben Entscheidungen offen, Prozesse blockiert oder Konflikte ungelöst.
Oft liegt das Problem nicht an mangelnder Kommunikationsfähigkeit,
fehlendem Engagement oder unklarer Verantwortung.
Viel häufiger liegt es daran,
dass unterschiedliche Anliegen im falschen Gesprächsrahmen verhandelt werden.
Entscheidungen werden in konfliktbeladenen Runden diskutiert.
Prozessfragen werden personalisiert.
Beziehungsspannungen tauchen in Sachbesprechungen auf.
Konflikte eskalieren in regulären Meetings – oder werden dort vermieden.
Das Problem liegt dann weniger im Was der Kommunikation
als im Wo und Wie.
Die Klärungsräume Organisation (KRO) setzen genau hier an:
nicht bei den Inhalten, sondern bei der Passung zwischen Anlass und Kommunikationsraum.
Einordnung: Organisationen bestehen aus Kommunikation
Aus systemischer Perspektive – etwa in Anschluss an Niklas Luhmann –
bestehen Organisationen nicht aus Menschen,
sondern aus Kommunikation.
Organisationen reproduzieren sich dadurch,
dass bestimmte Kommunikationen möglich sind
und andere nicht.
Im organisationalen Alltag haben sich dabei unterschiedliche
Arten von Organisationskommunikation herausgebildet, unter anderem:
- Entscheidungskommunikation
- Prozesskommunikation
- Konfliktkommunikation
- Beziehungskommunikation
Diese Kommunikationsarten folgen jeweils eigenen Logiken:
unterschiedlichen Erwartungen, Rollen, Zeitstrukturen und Zumutungen.
In der Praxis werden diese Logiken jedoch häufig vermischt –
nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Zeitdruck, Gewohnheit oder Unsicherheit.
Besprechungen, Meetings oder „Runden“ werden so zu Allzweckgefäßen,
in denen alles gleichzeitig passieren soll:
Information, Entscheidung, Klärung, Entlastung, Einigung.
Die Folge sind häufig Unklarheit, Frustration, Eskalation oder Stillstand.
Differenzierung: Was Klärungsräume Organisation (KRO) anders machen
Die Leitidee des KRO-Formats
Das KRO-Format beruht auf einer einfachen, aber folgenreichen Annahme:
Viele Probleme in Organisationen entstehen nicht,
weil Menschen schlecht kommunizieren,
sondern weil sie in Räumen kommunizieren sollen,
die für diese Art von Kommunikation ungeeignet sind.
KRO stellt daher gezielt passende Kommunikationsräume bereit
und moderiert diese professionell.
Nicht mit dem Ziel, Lösungen zu produzieren,
sondern um die jeweils notwendige Kommunikationsart
überhaupt möglich zu machen.
Die vier Klärungsräume im Überblick
Je nach Anlass wird ein klar definierter Kommunikationsraum gewählt:
Entscheidungsraum (KRO-E)
Wenn Entscheidungen anstehen, aber blockiert sind.
Hier geht es um Entscheidungsgegenstand, Mandat und Konsequenzen –
nicht um Konfliktbearbeitung oder Beziehungsklärung.
Prozessklärungsraum (KRO-P)
Wenn Abläufe, Schnittstellen oder Zuständigkeiten unklar sind.
Der Fokus liegt auf Rollen, Übergaben und Arbeitsfähigkeit –
nicht auf Schuld oder Leistung.
Konfliktraum (KRO-K)
Wenn Spannungen offen oder latent vorhanden sind.
Der Raum macht Konflikte bearbeitbar,
ohne sie zu eskalieren oder vorschnell lösen zu wollen.
Beziehungsraum (KRO-B)
Wenn Zusammenarbeit belastet ist, ohne dass ein offener Konflikt besteht.
Spannungen können angesprochen werden,
ohne in therapeutische Tiefe zu gehen.
Grundregel: Pro Termin ein Raum. Keine Vermischung.
Rahmen, Ablauf und Prozesslogik
Ein Klärungsraum ist kein offenes Gespräch,
sondern ein klar gerahmter Kommunikationsprozess:
- Dauer: 90–180 Minuten
- sorgfältige Auftrags- und Raumklärung im Vorfeld
- klar definierter Teilnehmerkreis
- Freiwilligkeit und Vertraulichkeit
- keine Protokolle, keine Ergebnisberichte
Der Prozessablauf folgt einer stabilen Logik:
- Auftrags- und Raumklärung
- Ankommen und Orientierung
- Klärung des Anliegens im Raum
- raumspezifische Kommunikationsphase
- Integration und Ausblick
- Abschluss
Der Ablauf ist für alle KRO-Räume gleich –
der Fokus innerhalb der Phasen unterscheidet sich.
Methoden: bewusst reduziert
KRO arbeitet nicht mit einem breiten Methodenrepertoire,
sondern mit wenigen, gezielt eingesetzten kommunikativen Bausteinen:
- klare Rahmensetzung
- strukturierte Gesprächsphasen
- klärende und begrenzende Fragen
- Unterbrechung unpassender Kommunikation
- Temporegulierung und Verlangsamung
- kurze Integrationsrunden
Methoden dienen nicht der Intervention,
sondern der Stabilisierung des Kommunikationsraums.
Die Rolle der Moderation
Die Moderation im KRO-Format:
- steuert keine Inhalte
- löst keine Konflikte stellvertretend
- trifft keine Entscheidungen
- gibt keine fachlichen Empfehlungen
Ihre Autorität ist Raumautorität.
Sie schützt die Raumlogik,
begrenzt Vermischung,
reguliert Tempo
und sorgt dafür,
dass Kommunikation arbeitsfähig bleibt.
Konsequenzen: Wozu KRO beiträgt – und wozu nicht
Was Klärungsräume Organisation leisten können
- klarere Gespräche
- weniger Eskalation
- Entlastung von Führungskräften
- höhere Entscheidungs- und Arbeitsfähigkeit
- geringere Konfliktkosten
Diese Wirkung entsteht mittelbar,
über veränderte Kommunikationsformen –
nicht über Inhalte.
Was das KRO-Format bewusst nicht leistet
KRO ist keine:
- Fach- oder Organisationsberatung
- Mediation im klassischen Sinne
- Coachingmaßnahme
- Therapie
- Steuerungs- oder Bewertungsinstrument
Diese Begrenzung ist kein Mangel,
sondern Voraussetzung für Wirksamkeit.
Für wen das KRO-Format geeignet ist
KRO richtet sich an Organisationen, die:
- regelmäßig mit schwierigen Gesprächen zu tun haben
- Entscheidungen, Prozesse oder Konflikte nicht eskalieren lassen wollen
- Führungskräfte entlasten möchten
- Kommunikationsfähigkeit als Ressource verstehen
Typische Kontexte sind öffentliche Verwaltung,
IT-Organisationen, Führungsteams sowie Stabs- und HR-Bereiche.

🧭 Veränderung beginnt mit Klarheit.
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Fazit: Erst den Raum klären – dann die Themen
Bevor Organisationen neue Lösungen suchen,
lohnt sich oft ein anderer erster Schritt:
Den Raum klären, in dem gesprochen wird.
Die Erfahrung zeigt:
Wenn der Raum passt,
wird vieles leichter –
ohne dass jemand „besser kommunizieren“ müsste.
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