Zwischen Entscheidung und Verantwortung: Reflexionsräume für Führung in der Verwaltung
Swetoslaw Beltschew

Führungskräfte im öffentlichen Dienst treffen täglich Entscheidungen, die fachlich begründet, rechtlich abgesichert und organisatorisch notwendig sind.
Viele dieser Entscheidungen sind nach außen eindeutig. Innerlich bleiben sie jedoch oft präsent.
Nicht selten entsteht nach einer Entscheidung eine stille Spannung:
Zweifel, Ambivalenzen oder Fragen nach der eigenen Rolle tauchen auf – ohne dass es im Führungsalltag einen passenden Ort dafür gibt.
Dieser Beitrag beschreibt, warum Reflexionsräume für Führungskräfte gerade in der öffentlichen Verwaltung an Bedeutung gewinnen, welche Funktion ein Reflexionszirkel Führung erfüllt und weshalb es dabei nicht um Lösungen, sondern um Orientierung geht.
Wenn Entscheidungen nachwirken
In großen Organisationen sind Entscheidungsprozesse gut organisiert.
Was deutlich seltener organisiert ist, ist der Umgang mit der Wirkung von Entscheidungen auf die handelnden Personen.
Führungskräfte tragen Verantwortung in mehreren Richtungen gleichzeitig:
gegenüber der Organisation, den Mitarbeitenden, dem Auftrag – und sich selbst. Entscheidungen entstehen dabei oft unter Zeitdruck, mit unvollständiger Information und widersprüchlichen Erwartungen.
Dass Entscheidungen nachwirken, ist kein Zeichen von Unsicherheit.
Es ist Ausdruck professioneller Verantwortung.
Ohne einen geeigneten Reflexionsraum bleibt diese Wirkung jedoch häufig unbearbeitet – und wird mit in den nächsten Entscheidungsprozess genommen.
Führung unter struktureller Spannung
Führung in der öffentlichen Verwaltung ist selten eindeutig.
Sie bewegt sich in Spannungsfeldern, die sich nicht auflösen lassen:
- politische Vorgaben und administrative Umsetzbarkeit
- rechtliche Bindungen und pragmatische Lösungen
- Erwartungsdruck von oben und Schutzbedürfnisse nach unten
- persönliche Werte und organisationale Logiken
Diese Spannungen sind strukturell bedingt. Sie lassen sich nicht „wegmoderieren“ oder durch bessere Methoden beseitigen.
Was jedoch möglich ist, ist ein bewusster Umgang damit.
Dafür braucht es Räume, in denen Führungskräfte diese Spannungen aussprechen, einordnen und tragen lernen – ohne Bewertung und ohne Rechtfertigung.
Der Reflexionszirkel Führung: Worum es geht
Der Reflexionszirkel Führung ist ein strukturierter, geschützter Reflexionsraum für Führungskräfte auf vergleichbarer Ebene.
Im Mittelpunkt stehen nicht Entscheidungen selbst, sondern der Reflexionsraum davor und danach.
Thematisiert werden unter anderem:
- die innere Wirkung von Entscheidungen
- Fragen der Rollenklärung
- wiederkehrende Muster im Führungshandeln
- Ambivalenzen zwischen Verantwortung und Zumutbarkeit
Die Teilnehmenden reflektieren ihre Situationen im Kreis von Kolleginnen und Kollegen – nicht fachlich, nicht politisch, sondern mit Blick auf die eigene Haltung und Wirkung.
Klare Grenzen schaffen Sicherheit
Ein zentrales Merkmal des Reflexionszirkels ist seine klare Begrenzung.
Er ist ausdrücklich kein Ort für:
- fachliche Problemlösungen
- operative Entscheidungen
- Bewertungen von Mitarbeitenden
- Supervision, Coaching oder Therapie
Diese Abgrenzung ist kein Mangel, sondern eine Voraussetzung für Offenheit.
Sie schützt die Teilnehmenden davor, sich rechtfertigen oder erklären zu müssen – und die Organisation davor, ungewollt in Inhalte hineingezogen zu werden.
Typische Situationen aus dem Führungsalltag
Entscheidung getroffen – Ruhe stellt sich nicht ein
Eine Führungskraft entscheidet über eine Umstrukturierung.
Der Prozess verläuft formal korrekt, Widerstände bleiben aus. Und dennoch bleibt ein inneres Unbehagen:
War die Entscheidung angemessen? Habe ich Erwartungen übersehen?
Im Reflexionszirkel kann diese Wirkung benannt werden – ohne dass die Entscheidung selbst erneut verhandelt wird.
Verantwortung zwischen den Ebenen
Eine Bereichsleitung steht zwischen politischen Vorgaben und den Belastungsgrenzen des Teams.
Die Entscheidung ist gefallen, die Ambivalenz bleibt.
Im kollegialen Austausch wird deutlich: Diese Spannung ist nicht individuell verursacht, sondern strukturell.
Allein diese Einordnung wirkt entlastend.
Warum kollegiale Reflexion wirkt
Der Reflexionszirkel folgt systemischen Grundannahmen:
- Führung ist immer in Kontexte eingebettet
- viele Spannungen entstehen durch Rollen und Strukturen, nicht durch Personen
- Orientierung entsteht durch Perspektivwechsel, nicht durch Ratschläge
Durch die kollegiale Resonanz werden blinde Flecken sichtbar, ohne dass jemand bewertet oder beraten wird.
Die externe Moderation sichert dabei ausschließlich den Prozess – nicht die Inhalte.
Was Führungskräfte daraus gewinnen
Für die Teilnehmenden entsteht häufig:
- Entlastung durch das Teilen von Verantwortung
- klarere Wahrnehmung der eigenen Rolle
- bewussterer Umgang mit Entscheidungsdruck
- größere innere Stabilität in komplexen Situationen
Für die Organisation ergibt sich der Nutzen indirekt:
Führungskräfte handeln reflektierter, ohne dass Inhalte dokumentiert, bewertet oder berichtet werden müssen.
Erste Schritte zur Selbstklärung
Nicht jede Organisation verfügt sofort über einen Reflexionszirkel.
Dennoch lassen sich erste Impulse in den Alltag integrieren:
- Welche Entscheidung beschäftigt mich noch – und warum?
- Was davon gehört zu meiner Rolle, was zur Organisation?
- Wo trage ich Verantwortung, die mir nicht zusteht?
Diese Fragen ersetzen keinen Reflexionsraum.
Sie zeigen jedoch, wo ein solcher Raum sinnvoll entlasten kann.

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Einladung zur Einordnung
Ein Reflexionszirkel Führung ist kein Instrument zur Steuerung und kein Entwicklungsprogramm.
Er ist ein geschützter Raum für professionelle Selbstreflexion.
Wenn Sie überlegen, ob ein solcher Rahmen für Ihre Organisation oder Ihre Führungsebene passend sein könnte, kann ein klärendes Gespräch helfen – nicht zur Entscheidung, sondern zur Einordnung.
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